1435280177/iStock

Agri-PV

Landwirtschaft und Solarenergie gemeinsam denken

Agri-Photovoltaik verbindet die landwirtschaftliche Nutzung mit der Erzeugung von Solarstrom auf derselben Fläche. Die technischen Anlagen werden so integriert, dass Ackerbau, Grünlandbewirtschaftung oder Tierhaltung weiterhin möglich bleiben. 

Gerade vor dem Hintergrund steigender klimatischer und wirtschaftlicher Anforderungen bietet Agri-PV vielen Höfen eine zukunftsfähige Lösung: Flächen werden effizient genutzt, Erträge stabilisiert und zusätzliche Einnahmequellen geschaffen, ohne die  landwirtschaftliche Nutzfläche dauerhaft zu verlieren.

Was bedeutet Agri-PV konkret?

Agri-PV bezeichnet Photovoltaikanlagen, die über oder zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen errichtet werden. Entscheidend ist der dauerhafte Erhalt der landwirtschaftlichen Nutzung.

Entsprechend der geltenden Vorgaben (u. a. DIN SPEC 91434) bleibt der PV-Anteil auf der Fläche begrenzt und förderfähig. Im Unterschied zu klassischen Freiflächenanlagen steht bei Agri-PV nicht der Flächenersatz, sondern die intelligente Doppelnutzung im Mittelpunkt.

aufgeständerte Agri-PV-Anlage mit Glasmodulen unter denen Wein wächst

Vorteile für Landwirtschaft, Kommune und Umwelt

Die kombinierte Nutzung von Agrarflächen bietet klare wirtschaftliche, kommunale und ökologische Vorteile. Die Rahmenbedingungen sind etabliert, die Technik praxiserprobt.

Für landwirtschaftliche Betriebe

  • Zusätzliche, ernteunabhängige Einnahmen über 20 bis 30 Jahre
  • Landwirtschaftliche Nutzung bleibt vollständig erhalten
  • Steuerliche Privilegierungen und Agrarförderung bleiben bestehen
  • Landwirt als aktiver Bewirtschafter und Flächenpfleger

Für Kommunen

  • Gewerbesteuereinnahmen und regionale Wertschöpfung vor Ort
  • Beteiligungsmöglichkeiten nach § 6 EEG
  • In der Regel schnellere Realisierung als z. B. Windenergieprojekte

Für Umwelt und Klima

  • Förderung der Biodiversität möglich
  • Reduzierte Bodenerosion
  • Höhere Resilienz gegenüber Starkregen und Hitze

Aktuelle technische Systeme im Überblick

Agri-PV bietet vielseitige Einsatzmöglichkeiten und lässt sich an die unterschiedlichsten landwirtschaftlichen Nutzungen anpassen – etwa bei Sonder- und Dauerkulturen, im klassischen Ackerbau, auf Grünland oder in der Beweidung.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der Flächenkulisse, der Topografie und den betrieblichen Rahmenbedingungen ab. Gerade diese Vielseitigkeit macht Agri-PV für viele landwirtschaftliche Betriebe attraktiv.

Die gängigsten Lösungen sind aktuell:

Nachgeführte Tracker-Systeme

Bild: ???

Tracker-Systeme folgen dem Sonnenstand ein- oder zweiachsig. Dadurch lassen sich sowohl Stromertrag als auch Verschattung gezielt steuern. Die Module können so positioniert werden, dass Pflanzen und Böden gezielt beschattet oder freigegeben werden.

Gerade auf ebenen Acker- oder Grünlandflächen haben sich Tracker-Systeme als wirtschaftlich tragfähige Technik etabliert. Sie ermöglichen deutlich höhere Stromerträge und bieten gleichzeitig hohe Flexibilität in der landwirtschaftlichen Nutzung.

Vertikale Zaun-Systeme

Bild: ???

Vertikale Agri-PV-Systeme werden reihenweise wie Zäune aufgestellt, meist in Ost-West- oder Nord-Süd-Ausrichtung. Sie benötigen nur wenig Bodenfläche und lassen sich sehr gut mit Grünland, Beweidung oder Dauerkulturen kombinieren.

Ein besonderer Vorteil dieser Systeme liegt in der Stromerzeugung: Durch die Ost-West-Ausrichtung wird vor allem in den Morgen- und Abendstunden Strom produziert – also genau dann, wenn der Stromwert am Markt häufig besonders hoch ist.

Hochaufgeständerte Agri-PV-Systeme

Bild: ???

Bei hochaufgeständerten Systemen werden die PV-Module in Höhen von etwa vier bis sechs Metern installiert. Dadurch bleibt die landwirtschaftliche Nutzung unterhalb der Anlage nahezu uneingeschränkt möglich. Maschinen, Tiere und Bewirtschaftungskonzepte lassen sich gut integrieren.

Diese Bauweise eignet sich besonders für Sonderkulturen, Viehhaltung sowie Dauer- und Mischkulturen. Zusätzlich bieten die Module einen gewissen Schutz vor starker Sonneneinstrahlung, Starkregen oder Hagel.

Feld oder Wiese - ein Blick auf Chancen und Unterschiede

olly/Fotolia.com

Wie unterscheiden sich Agri-PV-Anlagen von herkömmlichen Freiflächen-Anlagen wirtschaftlich, ökologisch und rechtlich? Das Forschungszentrum Jülich untersucht diese Fragestellung und zeigt auf, in welchen Bereichen Investitionen besonders vielversprechend sein könnten.

Artikel lesen

Unser Agri-PV-Pilotprojekt auf dem TEAG-Campus

Auf dem TEAG-Campus im Erfurter Norden wurde in den letzten Wochen ein wichtiges Zukunftsthema sichtbar: Aktuell errichten wir eine eigene Agri-PV-Testanlage, welche die landwirtschaftliche Nutzung und die Solarstrom-Erzeugung auf einer Fläche verbindet. Quasi direkt vor unserer Haustür.

Die Idee ist einfach und zugleich richtungsweisend. Die bisherige landwirtschaftliche Nutzung dieser Fläche bleibt bestehen und wird um eine zusätzliche Form der Wertschöpfung ergänzt. Vor dem Hintergrund wachsender Flächenkonkurrenz und steigender Anforderungen an Landwirtschaft und Umwelt verstehen wir Agri-PV als integrierten Lösungsansatz, der auch bei uns im Portfolio zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Unsere Projektziele

Im Mittelpunkt steht für uns der Praxistest. Wir wollen verstehen, worauf es bei Planung, Bau und Betrieb von Agri-PV-Anlagen tatsächlich ankommt. Dazu untersuchen wir, welche Technologien sich unter realen Bedingungen bewähren, wo besonders hohe Stromerträge erzielt werden können und wie sich Agri-PV sinnvoll in unterschiedliche landwirtschaftliche Nutzungen integrieren lässt. Gleichzeitig soll die Anlage als Lern- und Erfahrungsplattform dienen. 

Projektdesign

Für unser Pilotprojekt setzen wir bewusst auf drei unterschiedliche Systeme im direkten Vergleich: 

 Hochaufgeständertes System (84 kWp)

 Nachgeführtes Trackersystem (174,6 kWp)

 Vertikales Zaunsystem (39,5 kWp)

Die landwirtschaftliche Nutzung soll integraler Bestandteil bleiben. Der Marienhof in Erfurt, ein regional verwurzelter Betrieb mit Schwerpunkt auf der Tierhaltung, wird die Flächen auf unterschiedliche Weise bewirtschaften:

  • Unter dem hochaufgeständerten System ist der Anbau von Beerenobst als Dauerkultur geplant. Perspektivisch wird auch ein Bewässerungssystem ergänzt.
  • Die Flächen im Bereich des Tracker- und des vertikalen Systems werden für die Futtermittelproduktion des Hofes genutzt.

Die Abstände der Modulreihen wurden auf die Maschinen und Fahrzeuge des Hofes abgestimmt. So entsteht eine lokale Wertschöpfung mit kurzen Wegen.

Der erzeugte Strom wird direkt auf den TEAG-Campus geleitet und versorgt sowohl die E-Ladeinfrastruktur als auch die Gebäude vor Ort.

Projektstatus

Der Bau der rund 300 kWp-starken Anlage startet im Frühjahr 2026. Parallel wird der Netzanschluss umgesetzt. Ein Monitoring hilft, die verschiedenen Varianten künftig fundiert auswerten zu können.

  • Wiese in einem Industriegebiet auf der gerade eine Agri-PV Anlage gebaut wird
    Anja Taubenrauch/TEAG Solar

    Projektfläche am TEAG-Campus in Erfurt

  • Solarmodule die wie Zaunreihen auf einer Wiese stehen
    Anja Taubenrauch/TEAG Solar

    Vertikales Zaunsystem

  • hochaufgeständerte Solarmodulreihen
    Anja Taubenrauch/TEAG Solar

    Hochaufgeständertes System

  • TEAG Solar

    Interesse an einer sauberen Energielösung?

    Sie möchten Solarstrom nutzen, wissen aber noch nicht, welche Lösung am besten zu Ihrem Standort passt? Wir prüfen die Möglichkeiten und zeigen Ihnen, welche Variante technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

    Sprechen Sie uns an.