TEAG Solar

Spektakulärer Reparatureinsatz an der Windenergieanlage Immenrode

Nabentausch an einer Enercon E-82 in 108 Metern Höhe

Dichter Nebel liegt über dem Standort Immenrode bei Sondershausen. Es ist kalt, die Sicht eingeschränkt, die Bedingungen alles andere als ideal. Und doch wird hier eine der anspruchsvollsten Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt, die es bei einer Windenergieanlage gibt: der Austausch der Nabe. Jenes tonnenschwere Bauteil, das die Rotorblätter mit dem Triebstrang verbindet – und damit buchstäblich das Zentrum der Anlage bildet.

 

Überblick

  • Nabentausch unter Extrembedingungen: In Immenrode wurde eine Enercon E-82 mit Schwerlastkran und Funkkoordination auf 108 Metern Höhe instandgesetzt.
  • Technik im Detail: Warum der Austausch der Nabe die nachhaltigste Lösung für die Windenergieanlage war.
  • Windenergie aus Thüringen: Regionale Betreiberstrukturen und professionelle Betriebsführung sichern langfristige Stromerzeugung.

Wenn Technik an ihre Grenzen kommt

Betroffen ist eine Enercon E-82 mit 2,3 Megawatt Leistung, 108 Metern Nabenhöhe und einem Rotordurchmesser von 82 Metern. Jahr für Jahr speist sie rund vier Millionen Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz ein. Betreiberin ist die Windkraft Thüringen GmbH & Co. KG (WKT) – eine regionale Beteiligungsgesellschaft von 14 Thüringer Stadtwerken und Energieversorgern. Insgesamt betreibt die WKT in Thüringen Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 62 Megawatt.

Warum ein Nabentausch unvermeidbar war

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Im Rahmen einer regulären Wartung zeigten sich Verschleißerscheinungen am hinteren Hauptlager. Die Anlage ist über einen Full-Service-Wartungsvertrag an den Hersteller Enercon GmbH angebunden.

"Für uns als Betreiber ist das ein echtes Rundum-Sorglos-Paket", sagt Andre Katzinski, Projektingenieur Windenergie bei der TEAG Solar, die die WKT dienstleistend betreut. "Nach der technischen Bewertung war schnell klar: Ein kompletter Nabentausch ist die einzig nachhaltige Lösung."

Zwischen Schadensfeststellung und Umsetzung verging rund ein Jahr – ein ganz normaler Zeitraum, wenn es um Großkomponenten dieser Dimension geht. Die sorgfältige Planung ist Voraussetzung dafür, dass ein solcher Eingriff später reibungslos umgesetzt werden kann.

Schwerlasttechnik auf schmalen Wegen

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Der eigentliche Austausch stellte hohe Anforderungen an Technik und Logistik. Zum Einsatz kam ein Liebherr LTR 11200, einer der leistungsfähigsten Teleskop-Raupenkrane weltweit. In der eingesetzten Konfiguration brachte der Kran rund 420 Tonnen auf die Waage und konnte bis auf 108 Meter ausgefahren werden.

"In diesem Rüstzustand heben wir etwa 82 Tonnen", erklärt Sven Meier, Kranführer der Firma Hartinger. "Allein für den Transport des Krans und der Ersatzteile waren 18 LKW-Ladungen nötig." Hinzu kam die anspruchsvolle Zufahrt über schmale, forstwirtschaftlich genutzte Wege zum Standort der Anlage.

Auch aus Sicht des Herstellers war der Einsatz klar getaktet. „Für solche Arbeiten planen wir in der Regel etwa eine Woche ein – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen passen“, sagt Alexander de Buhr, Projektleiter Major Component Replacement bei Enercon. "Solche Einsätze gehören für uns zum Tagesgeschäft. Auch schwierige Wetterbedingungen wie hier in Immenrode sind keine Seltenheit."

 

Präzisionsarbeit in 108 Metern Höhe

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Besonders sensibel war das Absenken der defekten Nabe samt Rotorblättern. Rund zwei Stunden dauerte allein dieser Arbeitsschritt. Sichtkontakt zwischen Kranführer und Monteuren war dabei kaum möglich.

"Das ist reine Präzisionsarbeit", beschreibt Kranführer Meier. "Die Kommunikation mit den Kollegen oben in der Kanzel läuft ausschließlich über Funk. Jeder weiß genau, was zu tun ist – jeder Handgriff muss sitzen." Hoch konzentriert arbeiten die Teams, während sich das tonnenschwere Bauteil langsam Richtung Boden bewegt.

Trotz Schnee, Wind und Nebel konnte der Austausch planmäßig abgeschlossen werden. Inzwischen ist die Anlage wieder vollständig in Betrieb und speist zuverlässig Strom ins Netz.

Regionale Erzeugung, verlässlicher Betrieb

Die Windenergieanlage in Immenrode hat dabei eine besondere Geschichte: Sie war die erste eigenentwickelte und selbst errichtete Anlage der WKT und markiert den Ursprung des 2012 gegründeten Gemeinschaftsunternehmens.

Im Hintergrund sorgt TEAG Solar dafür, dass solche Beteiligungen langfristig stabil betrieben werden – von der Gesellschaftsorganisation über die Koordination aller Projektpartner bis hin zur Weiterentwicklung bestehender Standorte und der Prüfung neuer Investitionsvorhaben.

Der erfolgreiche Nabentausch in Immenrode zeigt, wie anspruchsvoll moderner Windenergie-Betrieb ist – und wie verlässlich er funktioniert, wenn Technik, Erfahrung und Planung ineinandergreifen.

Begleitend zum Einsatz ist ein Video entstanden, das die Arbeiten eindrucksvoll dokumentiert.

Fragen und Antworten

  • "Windkraftanlage" ist die ältere Bezeichnung und leitet sich vom Begriff "Kraftwerk" ab. "Windenergieanlage" gilt heute als technisch präziser und hat sich als moderner Standard etabliert.

  • Aktuell sind es rund 900 Anlagen mit etwa 2 Gigawatt installierter Leistung.

  • Die Anlage ist rund 12 Jahre alt. Technisch sind bei diesem Anlagentyp noch mindestens 15 weitere Betriebsjahre möglich – abhängig von Zustand, Wartung und den vertraglichen Rahmenbedingungen, etwa mit Flächeneigentümern